Neben all der theoretischen Planung war mir wichtig, auch schon ganz praktisch und greifbar einen Schritt in Richtung Reise gehen zu können – ich brauchte ja noch ein Motorrad samt entsprechender Kleidung hierfür. Meine treue Sachs Roadster 650 wollte ich nicht auf diese Reise schicken, der große Einzylinder würde mir auf Dauer wohl auch die Zähne ausschlagen. Die Yamaha MT-07 war für das Vorhaben viel zu sportlich und unpraktisch… am besten wäre wohl doch eine Reiseenduro. Ich probierte mich durch die üblichen Verdächtigen wie Yamaha XT, Suzuki DR600 oder Honda Dorminator (eine BMW kam aus Prinzip nicht in Frage), welche alle ganz gut waren aber sich doch nicht ganz richtig anfühlten. Als ich mir dann die Honda Transalp meines Freundes Philip für ein paar Tage ausgeliehen und mich mit ihm darüber unterhalten hatte war klar:
Richards Reise findet auf einer Honda XL 600 V Transalp (PD10) statt.

Dafür sprachen der laufruhige wartungsarme Motor der Transalp (Philips PD10 hat gerade die 100.000 km geknackt und läuft 1a), das gute Handling, eine angenehme Sitzposition mit gut passendem Windschutz, eine ordentliche Reichweite und viele praktische Möglichkeiten zur Gepäckbefestigung. Es gab viele Angebote im Gebrauchtmarkt für relativ schmales Geld, Ersatzteile sind noch gut zu kriegen und es gibt eine recht große Community, die sich mit dem Motorrad befasst (hat). Insgesamt gab es für mich auch nur einen Negativpunkt, mit dem ich aber wohl umgehen könnte: sie ist relativ schwer und lässt sich nicht besonders leicht auf den Hauptständer stellen. Ich habe ja Zeit zum üben…
Die Entstehung der bunten Haselnuss

So kam es, dass ich im April 2024 losfuhr um mir verschiedene Angebote anzuschauen – und am selben Tag noch ein Motorrad kaufte. Baujahr 1999, keine 25.000km auf dem Tacho und in wirklich gutem Zustand für faires Geld. Drei Koffer samt Träger gab’s dazu, ein Hauptständer und höheres Windschild waren bereits montiert. Tatsächlich war der Lacksatz so gut dass ich mich entschloss, gebrauchte und bereits beschädigte Lackteile zu kaufen um die guten zu erhalten. Weitere Veränderungen wie Heizgriffe, Bordstrom, eine Qi-fähige Smartphonehalterung, ein höherer Frontfender und Sturzbügel kamen über den Sommer hinweg dazu. Ich machte einen kleinen Service mit frischem Öl- und Kühlmittel sowie Luftfilter und befasste mich mit dem bereits verbauten Scottoiler. Für etwas über 3.000€ hatte ich so mein reisefertiges Motorrad.
In puncto Kleidung sollte ein anderer Helm mit Schild her, um bei tiefstehender Sonne im Winter bessere Sicht zu behalten. Außerdem möglichst helle und regenfeste Textilkleidung, die ich bislang verschmäht hatte. Hierbei bemühte ich aus Kostengründen Kleinanzeigen, wo es erstaunlich viel gebrauchte Motorradkleidung für wenig Geld gibt. Da ich bereits eine Textil-Winterhose hatte kam ich so mit 300€ für Helm, Jacke und eine neue Regenkombi hin. Mehr zur Finanzierung in der Budgetplanung
Das liebe Gepäck
Auch wenn Topcases nicht so mag, sind sie natürlich super praktisch – daher bleibt das Topcase als einziger „fester“ Koffer am Motorrad. Einen passenden Tankrucksack, den ich bereits hatte kann ich mit der Transalp weiter nutzen. Inwiefern ich Sturzbügeltaschen befestigen werde steht noch aus, auf dem Soziussitz werde ich vermutlich eine Packrolle mit Zelt und co nutzen.
Da ich für die Reise Satteltaschen statt der Koffer nutzen möchte, habe ich welche gebraucht gekauft und so modifiziert, dass sie sich schneller (und vor allem unabhängig von einander und der Sitzbank) montieren lassen. Dazu habe ich an jeder Tasche Aluminiumprofile befestigt, welche dann im Haltebügel der Koffer eingehängt und mit Klettbändern nach unten gehalten werden. Diese sind mit einem Alublech im Inneren der Tasche vernietet (im ersten Versuch war dort Kunststoff, der aber bei Beschädigung platzt – Alu hingegen verbiegt sich nur). Das war mein erster Versuch, eine Gepäckbefestigung zu bauen und dafür klappt es doch ganz gut. Sie lassen sich nach wie vor (im Notfall oder an einem anderen Motorrad) wie vom Hersteller gedacht befestigen, indem man die Klettbänder über die Sitzbank hinweg miteinander verbindet.

und dann: TE(T)sten!
Da bestimmt nicht alle Strecken meiner Reise geteert sein werden, wollte ich mich schonmal auf unbefestigten Wegen ausprobieren. Hierzu fuhr ich im August 2024 einen Tag auf Teilen des Französischen TET. Dabei merkte ich jedoch schnell, dass es keine gute Idee war das ganz allein zu machen. Meine Grenzen waren zwar deutlich später erreicht als gedacht, jedoch wäre ich im Falle eines Sturzes mit eventueller Verletzung auch ziemlich aufgeschmissen gewesen. Die Erkenntnis wie viel ich schaffe war dennoch ein gutes Ergebnis aus diesem ersten sprichwörtlichen Feldversuch, auf dem ich gern in 2025 mit einer weiteren Person gemeinsam aufbauen möchte.


Nach bisher 5.000km bin ich mit der Transalp absolut zufrieden und guter Dinge, dass sie mir eine gute Begleitung bei meinem Vorhaben sein wird. Auch bei Glätte und Kälte habe ich bisher keine Probleme gehabt. Ein neues Hinterrad habe ich bereits, das vordere folgt auch bald. Im Laufe des Jahres wird dann an der einen oder anderen Stelle noch nachgebessert, ein größerer Service durchgeführt und im Dezember geht es dann schon los!
